Lohnfortzahlung bei Unfall

Unfall

Im Vergleich zum Krankheitsfall sind Arbeitnehmende in der Schweiz bei Unfall viel besser versichert. Im Artikel 324a des Obligationenrechts (OR) ist als unverschuldete Absenz zwar auch der Unfall erwähnt, jedoch gelten das OR und die Lohnfortzahlungsskalen nur für die ersten 2 Tage der Absenz. Das bedeutet: 100% des Lohnes falls keine abweichende Vereinbarung (Arbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag) existiert. Abweichende Vereinbarungen können eine Lohnfortzahlung von 80% oder gar zwei unbezahlte Karenztage vorsehen.

Ab dem dritten Tag nach dem Unfall treten die Leistungen des Unfallversicherungsgesetzes (UVG) in Kraft.

Wer ist versichert?

Alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden – inklusive Schnuppernde, Praktizierende und so weiter – sind obligatorisch gegen die finanziellen Folgen eines Unfalles (Berufsunfall und Nicht-Berufsunfall) versichert, sofern deren Arbeitszeit mindestens 8 Stunden pro Woche beträgt. Wer weniger arbeitet, ist nur bei Berufsunfall versichert, die Deckung für Unfall in der Freizeit muss privat organisiert werden. In der Regel erfolgt das bei der bestehenden Krankenkasse, möglich sind auch separate Lösungen mit Taggeldleistungen.

Inhaber von Einzelfirmen sowie Mitinhaber von Kollektiv- oder Kommanditgesellschaften sind nicht obligatorisch im Sinne des UVGs versichert. Es besteht aber die Möglichkeit, eine Unfallversicherung gemäss UVG abzuschliessen. Zumindest steht das so im Gesetz. Manche Versicherungsgesellschaften verweigern jedoch den Abschluss von solchen Policen oder offerieren so hohe Prämien, dass die interessierte Person freiwillig auf den Abschluss einer Versicherung gemäss UVG verzichtet. Bevorzugt wird eine Unfall(-taggeld-)versicherung gemäss VVG angeboten. Der Unterschied ist, dass gemäss diesem Gesetz lediglich während knapp 2 Jahren Taggelder bezahlt werden müssen, gemäss UVG sind im äussersten Fall lebenslänglich Taggelder respektive Rentenleistungen fällig.

Ebenfalls nicht gemäss UVG versichert sind nicht erwerbstätige Personen: Studierende, Praktikanten und -innen, Hausmänner und -frauen… diese Personen können sich zudem nicht freiwillig im Sinne des UVG versichern.
Arbeitslose Personen sind solange im Sinne des UVGs versichert, wie sie Arbeitslosengelder beziehen.

Das Wort obligatorisch bedeutet im Falle der Unfallversicherung, dass Arbeitnehmende auch dann versichert sind, wenn zum Zeitpunkt des Unfalles keine Versicherung bestanden hat. Wichtig ist nur, dass die betroffene Person in diesem Moment auch irgendwo angestellt ist. Natürlich sind Arbeitgebende gehalten, eine Versicherung gemäss UVG abzuschliessen. Das wird auch kontrolliert. Sollte aber aus irgend einem Grund doch keine Versicherungspolice gültig sein, so soll die arbeitnehmende Person trotzdem versichert sein. Verunfallt eine ’nicht versicherte‘ Person, springt je nach Branche entweder die Suva oder die Ersatzkasse in die Bresche. Beim Arbeitgeber werden in diesem Fall nachträglich Prämien erhoben.

Wann ist die Versicherung aktiv?

Der Versicherungsschutz wird aktiv ab dem im Arbeitsvertrag festgelegten Start des Arbeitsverhältnisses. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Versicherungsschutz noch 31 Tage lang aktiv.
Wer also zum Beispiel zwischen zwei Arbeitsstellen einen Monat lang pausiert, ist durchgehend gemäss UVG versichert. Wer länger pausiert, muss die Unfalldeckung entweder in die Police der Krankenkasse miteinschliessen oder aber eine Abredeversicherung abschliessen. Der Unterschied ist: bei der Krankenkasse sind Sie gemäss KVG (Krankenversicherungsgesetz) versichert, bei der Abredeversicherung gemäss UVG. Die Leistungen gemäss UVG sind besser, einen genauen Leistungsvergleich finden Sie hier.
Obligatorisch ist übrigens auch die Unfalldeckung im Sinne des KVGs – also auch wenn Sie vergessen, den Unfallzusatz bei der Krankenkasse einzuschliessen, die Versicherung muss die gesetzlichen Leistungen erbringen.

Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung im Sinne des UVG

Heilkosten und Hilfsmittel

Heilkosten werden voll und unbegrenzt bezahlt, ohne Selbstbehalt und bei freier Arztwahl. Für notwendige Behandlungen im Ausland werden maximal die doppelten Kosten, welche in der Schweiz anfallen würden, übernommen. Ausserdem sind die Kosten für Hilfsmittel, Deckung von Sachschäden, Transport- und Reisekosten sowie Bestattungskosten gedeckt.

Lohnausfall

Ab dem dritten Tag nach dem Unfall vergütet die obligatorische Unfallversicherung gemäss UVG 80% des versicherten Lohnes in Form von Taggeldern. Bleibt die verunfallte Person infolge des Unfalles ganz oder teilweise arbeitsunfähig, wird der Verdienstausfall durch eine Rente gedeckt – ebenfalls im Umfang von 80% des versicherten Verdienstes bzw. sogar 90% in Kombination mit der Rente der IV (sogenannte Komplementärrente). Die Taggeld- respektive Rentenzahlungen der Unfallversicherung gemäss UVG sind zeitlich nicht befristet (Leistungen bis zum Tod), Renten werden ausserdem der Teuerung angepasst. Weiter werden auch Hilflosenentschädigungen und allenfalls auch Integritätsentschädigungen (bei Verlust von einzelnen Körperteilen) vergütet.

Mit inkrafttreten des neuen UVG per 2017 wurde Artikel 20 des UVG um zwei ‚Denksportabsätze‘ erweitert, welche für die versicherten Personen (natürlich nicht für die Versicherungen…) empfindlich ins Geld gehen können:
Sobald die verunfallte Person das Rentenalter erreicht, wird die UVG-Rente gekürzt, wenn die verunfallte Person zum Zeitpunkt des Unfalles älter als 45 Jahre ist:

Kürzungen

  • Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent: um 2 Prozent für jedes vollständige Lebensjahr über 45, maximal aber um 40 Prozent.
  • Bei einem Invaliditätsgrad von unter 40 Prozent: um 1 Prozent für jedes vollständige Lebensjahr über 45, maximal aber um 20 Prozent.

Die gleichen Regeln gelten auch, wenn jemand infolge eines Unfalles nach dem 60sten Geburtstag einen Rückfall erleidet. In diesem Fall entfällt sogar die Altersgrenze von 45. Hat also jemand mit 25 einen Unfall und wird infolge dessen mit 60 zu 100% arbeitsunfähig, wird die Unfallrente um 40% gekürzt. Die betroffene Person erhält dann also nicht mehr 80% des Lohnes sondern nur noch deren 48%… gut haushalten heisst das Motto!