Immer versichert?

Die meisten Arbeitgeber rechnen ihr Personal korrekt mit den Sozialversicherungen ab. Einzelne schwarze Schafe aber nehmen es damit leider nicht so genau. Als Arbeitnehmer/in fragt man sich: bin ich in einem solchen Fall trotzdem versichert?

So viel vorab: wenn Sie für einen Arbeitgeber mit tendenziell dubiosen Strukturen tätig sind, sollten Sie so bald als möglich die Stelle wechseln. Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie sich für jemanden aufopfern (und vielleicht sogar die Altersvorsorge schädigen), der unseriös und auf Kosten von Anderen 'geschäftet'.

Versichert oder nicht versichert?

Betrachten Sie die Lohnabrechnung: in aller Regel finden Sie dort einen, meist zwei Abzüge:

  • NBU: Unfallversicherung Freizeit respektive nicht-Berufsunfall
  • KTG : Krankentaggeld - Lohnausfall während Krankheit

Natürlich darf Ihnen der Arbeitgeber diese beiden Abzüge schenken. Kein Abzug bedeutet nicht, dass Sie nicht versichert sind. Am besten ist, wir betrachten die beiden Versicherungen getrennt:

Unfallversicherung

Jede in der Schweiz tätige, arbeitnehmende Person ist obligatorisch gegen die wirtschaftlichen Schäden bei Unfall versichert. Arbeitet jemand während mindestens 8 Stunden pro Woche für den gleichen Arbeitgeber, ist diese Person in der Freizeit und während der Arbeit versichert. Wer weniger als 8 Stunden pro Woche arbeitet, ist nur während der Arbeitszeit versichert.
Die Prämie für die Berufsunfallversicherung werden (bzw. sollten) Sie übrigens nie auf der Lohnabrechnung sehen - diese muss nämlich zwingend vom Arbeitgeber selber bezahlt werden.

Obligatorisch versichert bedeutet, dass Sie - vorausgesetzt Sie erfüllen die Voraussetzung als 'in der Schweiz tätige arbeitnehmende Person' - auf jeden Fall versichert sind. Das gilt auch dann, wenn Ihr Arbeitgeber Sie gegenüber der Unfallversicherung absichtlich nicht abrechnet: in diesem Fall kommt bei einem Unfall automatisch entweder die Suva oder die Ersatzkasse UVG für die Kosten auf.
Ganz frech ist natürlich, wenn Ihnen der Arbeitgeber trotzdem die Prämie vom Lohn abzieht: Sie verlieren dann zwar nichts (die Prämie müssten Sie ja sowieso bezahlen), der Arbeitgeber macht sich aber der Unterschlagung oder Veruntreuung von Sozialversicherungsgeldern schuldig. Ein heisses Eisen...

Krankentaggeldversicherung

Etwas anders sieht die Sachlage bei der Versicherung für Krankentaggeld aus, denn diese Versicherung ist nicht obligatorisch. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen Auskunft zu erteilen, ob so eine Versicherung besteht und wenn ja, bei welcher Versicherung. Nützlich ist natürlich immer Schriftlichkeit, allenfalls auch von der Versicherung selber.

Im Schadenfall - also wenn Sie krank werden - haben Sie ohne Versicherung Anspruch auf Lohnfortzahlung nach OR (siehe Seite Lohnfortzahlung bei Krankheit), nach Gesamtarbeitsvertrag und Arbeitsvertrag mit Reglementen. Und während die Heilkosten auf jeden Fall von der Krankenkasse getragen werden (abgesehen vom Selbstbehalt), müssen Sie in einem solchen Fall selber eine Krankentaggeldversicherung abschliessen, wenn Sie einen längeren Lohnausfall gedeckt haben wollen.
Mit einer Krankentaggeldversicherung beim Arbeitgeber werden diesem die Lohnausfallkosten vergütet und Sie haben Anspruch auf die verlängerte Lohnfortzahlung (in der Regel zwei Jahre) - so lange der Arbeitgeber von der Versicherung Ihren Lohn ersetzt erhält, so lange haben Sie Anspruch auf mindestens 80% des Lohnes (OR Art. 324b)