Mehrfachanstellung

Um zu erklären, wie die Lohnzahlungen bei den Sozialversicherungen abzurechnen sind, eignet sich am besten ein Beispiel mit konkreten Zahlen:

Frau Müller arbeitet in einer Kaderposition bei der Produkt AG. Die Produkt AG ist Inhaberin der beiden Tochtergesellschaften Rep AG und Immo GmbH. Auch für diese beiden Firmen ist Frau Müller oft im Einsatz. Deshalb erhält Frau Müller auch von der Rep AG und von der Immo GmbH je einen Lohn:

Wie Sie der Grafik entnehmen können, verdient Frau Müller insgesamt 315'000 Franken pro Jahr: 200'000 Franken bei der Produkt AG, 45'000 Franken bei der Rep AG und 70'000 Franken bei der Immo GmbH.

Während nun bei der AHV und bei der ALV einfach alle Löhne pro Firma vollumfänglich zu deklarieren sind, muss bei der obligatorischen Unfallversicherung insgesamt, also über alle Arbeitsverhältnisse kumuliert, lediglich 148'200 Franken (seit 2016) pro Jahr deklariert werden. Das entspricht dem maximal versicherbaren Verdienst gmäss UVV Art. 22 Abs. 1.

Bei der Arbeitslosenversicherung ist auch "nur" dieser Betrag versichert, Beiträge werden hier aber PRO Arbeitsverhältnis bezogen (AVIG Art. 3 Abs. 1)

In der Gesetzgebung zur Unfallversicherung ist in UVV Art. 115 Abs. 1 definiert, dass Prämien auf dem versicherten Verdienst gemäss UVV Art. 22 erhoben werden. Das entspricht, wie oben erwähnt, derzeit 148'200 Franken pro Jahr und damit müssen die Prämien für die Unfallversicherung auch nur auf dieser Summe abgerechnet werden.

Für Frau Müller bedeutet das Folgendes:

Der maximal versicherbare Verdienst von 148'200 Franken pro Jahr entspricht 47.05% des gesamten Verdienstes von Frau Müller. Also muss Frau Müller lediglich 47.05% von jedem einzelnen bezogenen Lohn bei der Unfallversicherung deklarieren:

  • Lohn Produkt AG: CHF 200'000 x 47.05% = CHF 94'095
  • Lohn Rep AG: CHF 45'000 x 47.05% = CHF 21'172
  • Lohn Immo GmbH: CHF 70'000 x 47.05% = CHF 32'933

Insgesamt deklarieren die 3 Arbeitgeber für Frau Müller 148'200 Franken. Falls Frau Müller einen Unfall erleidet und für einige Tage nicht arbeiten kann, erhält Sie pro Arbeitsverhältnis die 80% des deklarierten Lohnes, insgesamt 9'880 Franken pro Monat.

Angenommen die beiden Firmen Produkt AG und Rep AG sind bei der Suva versichert, die Immo GmbH bei einer privaten Unfallversicherung:

Auch in diesem Fall müsste der UVG-Lohn pro Arbeitsverhältnis gemeldet werden: insgesamt 115'267 Franken bei der Suva, die restlichen 32'933 Franken bei der privaten Versicherung. Bei einem Schadenfall werden die Leistungen unter den beteiligten Versicherungen koordiniert.

Nur leicht anders wird die Berechnung, wenn Frau Müller nur während 7 Monaten beschäftigt war aber trotzdem insgesamt 315'000 Franken erhält:

Der maximal versicherte Verdienst für 7 Monate beträgt 86'450 Franken (148'200 / 12 x 7). Diese 86'450 Franken entsprechen 27.44% der gesamten Vergütungen. Pro Firma sind also lediglich die 27.44% des vergüteten Lohnes zu deklarieren:

  • Lohn Produkt AG: CHF 200'000 x 27.44% = CHF 54'889
  • Lohn Rep AG: CHF 45'000 x 27.44% = CHF 12'350
  • Lohn Immo GmbH: CHF 70'000 x 27.44% = CHF 19'211

Lassen wir den Lohn von Frau Müller noch etwas in die Höhe schnellen: Frau Müller erhielt nach wie vor 315'000 Franken, arbeitete aber nur vom 23. Mai bis und mit dem 12. November. Sie war während 174 Tagen angestellt, damit liegt der maximal versicherbare Verdienst bei 174 x 406 Franken (Höchstlohn pro Tag), das entspricht 70'644 Franken. Dieser Betrag wiederum entspricht 22.4266% des gesamten Verdienstes, folglich muss pro Arbeitsverhältnis 22.4266% des vergüteten Lohnes deklariert werden.

Bedingung für eine korrekte UVG-Deklaration bei Mehrfachanstellungen ist, dass jeder Arbeitgeber von Frau Müller weiss, wie viel sie insgesamt verdient. In einem Konzern mit nur einer HR-Abteilung ist das schnell einmal gegeben. Oft wird in einem solchen Fall mit interner Verrechnung der Lohnkosten gearbeitet, um die Aufteilung des UVG-Lohnes zu verhindern.
Schwieriger wird es, wenn Frau Müller für völlig unterschiedliche Arbeitgeber tätig ist, welche in der Regel die UVG-Versicherung auch bei verschiedenen Versicherungen abgeschlossen haben. In einem solchen Fall müsste Frau Müller dafür besorgt sein, dass der Arbeitgeber über die weiteren Anstellungsverhältnisse und insbesondere über die entsprechende Bezahlung informiert ist. Bei monatlich schwankenden Einkommen müssten sich die Arbeitgeber sogar monatlich koordinieren.
Administrativ vereinfachen liesse sich diese Situation nur, wenn während dem Jahr jeder Arbeitgeber ungeachtet der anderen Löhne für sich abrechnet. Ende Jahr müssten sich die verschiedenen Arbeitgeber ein Mal austauschen und der arbeitnehmenden Person zu viel bezogene NBU-Beiträge zurückvergüten. Das bedingt die Bereitschaft der arbeitnehmenden Person, während dem laufenden Jahr die zu hohen Lohnabzüge zu akzeptieren.

In der Download-Liste können Sie ein Excel-Tool herunterladen, mit welchem Sie die UVG-pflichtigen Löhne pro Monat und pro Firma berechnen können. Das Tool funktioniert jedoch noch nicht mit der tageweisen Berechnung.