Lohnfortzahlung bei Unfall

Grundsätzlich

Im Vergleich zum Krankheitsfall sind Arbeitnehmende in der Schweiz bei Unfall viel besser geschützt. Im Artikel 324a des Obligationenrechtes ist als unverschuldete Absenz zwar auch der Unfall erwähnt, allerdings gelten OR und Lohnfortzahlungsskalen bei Unfall nur noch für die 2 Tage Karenzfrist, also mindestens 80% des Lohnes sind vom Arbeitgeber zu bezahlen (OR 324b Abs. 3). Ab dem dritten Tag nach dem Unfall treten die Leistungen des Unfallversicherungsgesetzes (UVG) in Kraft.

Alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden (inklusive Schnuppernde) sind obligatorisch gegen die finanziellen Folgen eines Unfalles (Berufsunfall und Nicht-Berufsunfall) versichert. Gedeckt sind Heilungskosten und Lohnausfall, die detaillierten Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung können Sie dem Abschnitt 'Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung' entnehmen. Arbeitnehmende, welche weniger als 8 Stunden pro Woche arbeiten, müssen sich selber gegen Unfälle in der Freizeit versichern. Über die obligatorische Unfallversicherung ist diese Arbeitnehmendengruppe nur gegen Berufsunfälle versichert.

Der Versicherungsschutz bei Unfall greift vom ersten Tag an: ab dem Moment, an dem sich Arbeitnehmende zum ersten Mal auf den Weg zu einer neuen Arbeitsstelle machen, sind sie - gemäss bis Ende 2016 geltendem UVG - versichert. Problematisch bei dieser Formulierung ist, dass Versicherungslücken entstehen können:

Ein Arbeitnehmer, welcher per 1. Januar einen Arbeitsvertrag abschliesst, die Stelle aber aufgrund der Feiertage erst am 4. Januar antritt, ist in der Zeit vom 1. Januar bis zum 3. Januar unter Umständen nicht versichert. Insbesondere kann dies dann der Fall sein, wenn der Arbeitnehmer im Dezember nicht gearbeitet und auch keine ALV-Taggelder bezogen hat. Eine mögliche Lösung wäre hier der Abschluss einer Abredeversicherung.

Im neuen UVG, welches voraussichtlich per Anfang 2017 in Kraft treten wird, ist diese Lücke geschlossen worden. Neu sind Arbeitnehmende ab dem ersten Tag versichert, welcher im Arbeitsvertrag vereinbart ist.

Nicht versicherte Personen

Nicht als Arbeitnehmende im Sinne des UVG's gelten Personen, welche ihren privaten Haushalt erledigen, Studierende, Pensionierte respektive allgemein Personen, welche keiner bezahlten Arbeit nachgehen. Diese Personen sollten die Versicherung der Heilkosten bei Unfall in die Police der Krankenkasse einschliessen und allenfalls auch eine Unfalltaggeldversicherung in Betracht ziehen.

Aber auch (Mit-)Inhaber von Einzelunternehmen, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften sowie Familienmitglieder, welche ohne Lohn mitarbeiten sind nicht im Sinne des UVG versichert. Ist Ihre Firma in einer durch die Suva versicherten Branche tätig? Dann können Sie den Versicherungsschutz gemäss UVG durch den Abschluss einer freiwilligen Unfallversicherung erlangen. Alternativ dazu können Sie bei einer privaten Versicherungsgesellschaft eine Heilkosten- und/oder Taggeldversicherung abschliessen - diese Policen bezahlen jedoch in der Regel nur 720 Taggelder, während Versicherungspolicen nach UVG Taggelder respektive Renten bis an Lebensende bezahlen.

Leistungen der obligatorischen Unfallversicherung

Heilkosten und Hilfsmittel

Heilkosten werden voll und unbegrenzt bezahlt, ohne Selbstbehalt und bei freier Arztwahl. Für notwendige Behandlungen im Ausland werden maximal die doppelten Kosten, welche in der Schweiz anfallen würden, übernommen. Ausserdem sind die Kosten für Hilfsmittel, Deckung von Sachschäden, Transport- und Reisekosten sowie Bestattungskosten gedeckt.

Ersatz Lohnausfall

Ab dem dritten Tag nach dem Unfall vergütet die obligatorische Unfallversicherung 80% des versicherten Lohnes in Form von Taggeldern. Bleibt die verunfallte Person infolge des Unfalles ganz oder teilweise arbeitsunfähig, wird der Verdienstausfall durch eine Rente gedeckt - ebenfalls im Umfang von 80% des versicherten Verdienstes respektive 90% in Kombination mit der Rente der IV. Die Taggeld- respektive Rentenzahlungen sind zeitlich nicht befristet (Leistung bis zum Tod), Renten werden ausserdem der Teuerung angepasst. Dazu werden auch Hilflosenentschädigungen und allenfalls auch Integritätsentschädigungen (Verlust von einzelnen Körperteilen) vergütet.