Lohnfortzahlung bei kurzen Absenzen

Kurzabsenzen können einige Minuten oder Stunden aber auch mehrere Tage lang dauern. Beim Thema Kurzabsenzen sind Angestellte im Monatslohn den Stundenlöhnern gegenüber im Vorteil: wer im Stundenlohn arbeitet erhält bei Abwesenheit infolge der hier erwähnten Kurzabsenzen keinen Lohn während der Monatslöhner oft trotz der Abwesenheit den vollen Lohn erhält.

Persönliche oder familiäre Ereignisse

...stehen bei den Kurzabsenzen im Vordergrund.

Das Obligationenrecht fasst sich für diese Art der Absenzen noch kürzer als für die Absenzen infolge von Krankheit, Unfall etc. Im OR Artikel 329 Absatz 3 steht nur: dem Arbeitnehmer sind im Übrigen die üblichen freien Stunden und Tage und nach erfolgter Kündigung die für das Aufsuchen einer anderen Arbeitsstelle erforderliche Zeit zu gewähren, wobei offensichtlich ist, dass die Begriffe üblich und erforderlich je nach Interessenslage durchaus interpretierbar sind.

Die übliche Freizeit ist zum Beispiel für Anlässe wie die eigene Hochzeit, die Geburt des eigenen Kindes (hier sind insbesondere die Männer gemeint, bei Frauen gelten naturgegeben andere Vorschriften), Todesfälle in der nahen Familie aber auch Hochzeiten oder Todesfälle in der Verwandt- und Bekanntschaft zu gewähren. Auch für die Pflege von kranken Familienmitgliedern muss der Arbeitgeber Zeit gewähren. Der Arbeitnehmer ist umgekehrt aber daran gehalten, sich möglichst schnell so zu organisieren, dass er wieder zur Arbeit erscheinen kann. Auch Arzttermine und Behördengänge sind so zu planen, dass diese möglichst ausserhalb der Arbeitszeit oder zumindest an Randstunden wahrgenommen werden können. Ist dies nicht möglich, muss dies der Arbeitgeber wiederum so hinnehmen. Das Gewähren von (notwendiger) Freizeit für persönliche und familiäre Angelegenheiten ist ein Bestandteil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Meistens werden die bezahlten Absenzen in Gesamt- oder Einzelarbeitsverträgen oder in Arbeitsreglementen geregelt. Ist dies nicht der Fall, hilft eine offene Kommunikationskultur gepaart mit gesundem Menschenverstand weiter.

Eine andere Kategorie von Kurzabsenzen sind jene Termine, welche von Gesetz wegen wahrgenommen werden müssen. Dabei gelten bei Absenzen für Rekrutierung, Inspektion oder Ausmusterung bei Militär und Zivilschutz die Regeln für Militär und Zivilschutz - die EO vergütet 80% der Lohnkosten. Aber auch eine...

öffentliche Vorladung (vor Gericht zum Beispiel)

muss wahrgenommen werden. Es wäre jedoch stossend, wenn Arbeitnehmende einerseits vom Staat von der Arbeit wegzitiert werden und andererseits der Arbeitgeber dafür den Lohn streicht. Unter den Begriff der gesetzlichen Pflichten im Artikel 324a des Obligationenrechts fallen deshalb nicht nur Absenzen infolge von Dienst bei Militär oder Zivilschutz, sondern eben auch Absenzen infolge anderer gesetzlich wahrzunehmender Termine.

In solchen Fällen gilt die Lohnfortzahlung gemäss OR: bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen muss der Arbeitgeber den Lohn für die Absenz nur dann vergüten, wenn das Arbeitsverhältnis bereits seit mehr als 3 Monaten besteht. Bei befristeten Arbeitsverhältnissen ist der Lohn ab dem ersten Tag geschuldet, sofern das Arbeitsverhältnis für mehr als 3 Monate eingegangen wurde.

Arbeitnehmer, welche sich in

öffentlichen Ämtern

engagieren, haben während der Abwesenheit ebenfalls Anspruch auf Lohnfortzahlung im Sinne von OR 324a respektive im Umfang der Lohnfortzahlungsskalen.

Manchmal spielt das Leben nicht so, wie man will. Stau, gestrichener Heimflug von den Ferien, defekter Wecker, der Zug mit grosser Verspätung, kaputtes Auto oder eine Lawine versperrt den Arbeitsweg... in solchen Fällen spricht man von

höherer Macht

Der Grund der Absenz liegt in diesen Fällen nicht in der Person des Arbeitnehmers, wie dies im Artikel OR 324a steht, sondern man hat einfach Pecht und man ist nun einfach mal dabei. (Pech hat man ja auch bei einem Unfall, nur ist man da betroffen und nicht 'nur' dabei.)

Die Folge ist, dass man die fehlende Zeit am Arbeitsplatz entweder wieder aufarbeiten, mit Ferien verrechnen oder gar vom Lohn abziehen lassen muss.